Beitrag zur gesellschaftlichen Akzeptanz

Nach der Automobilindustrie ist die Ernährungswirtschaft der zweitwichtigste Wirtschaftszweig in Niedersachsen und hat eine herausragende Bedeutung für die Nahrungsmittelproduktion und damit auch für die wirtschaftliche Entwicklung und den Arbeitsmarkt in diesem Bundesland. Mit den vor- und nachgelagerten Bereichen, dem sogenannten Agribusiness, sind viele Wertschöpfungsketten vom Acker oder Stall bis zum Teller eng miteinander verbunden. Diese Branche ist durch eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen geprägt. Dabei sind Innovationen und der Einsatz neuer Technologien für die Zukunftsfähigkeit unabdingbar. Dabei gilt es, die Branche bei der Transformation zu einer sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltigen und gesellschaftlich akzeptierten Nahrungsmittelproduktion zu begleiten, da die kleinen und mittelständischen Unternehmen oftmals über keine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung verfügen.

Der zunehmende Wettbewerb innerhalb der Branche, steigende Ansprüche der Verbraucherinnen und Verbraucher sind Herausforderungen, bei denen die Landesinitiative Ernährungswirtschaft die Unternehmen unterstützt und mit dem Netzwerk aus Wissenschaft und Wirtschaft Impulse für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit gibt. Aus der Gesellschaft werden vielfach Forderungen an die Branche hinsichtlich der Transparenz der Lebensmittelproduktion gestellt, die durch gesetzliche Grundlagen geregelt oder freiwillige Vereinbarungen z.B. mit dem Lebensmitteleinzelhandel umgesetzt wurden.

Die LI Ernährungswirtschaft möchte einen Beitrag zum öffentlichen Diskurs leisten, bestehende Informationsangebote für mehr Transparenz aufzeigen, die Zusammenhänge und Gesamtperspektive der einzelnen Themenschwerpunkte herstellen und so zu mehr Akzeptanz in der Gesellschaft beitragen.

 

Ihre Ansprechpartnerin:

Doris Schröder

Tel.: +49(0)4441/15-430

E-Mail: doris.schroeder@uni-vechta.de

Unsere Schwerpunktthemen:

Wertschöpfungskette

Die Wertschöpfungsketten der Lebensmittel sind sehr vielschichtig und für jedes Produkt individuell. Eine gemeinsame Basisstruktur liegt allen zugrunde. Der Anfang ist die Vorleistungsindustrie, die die Betriebs-, Hilfs- und Rohstoffe als Produktionsmittel für die Landwirtschaft zur Verfügung stellt, sowohl für Produkte tierischen Ursprungs als auch für die auf pflanzlicher Basis. Als nächste Stufe kommt die Landwirtschaft, die auch als sog. Urproduktion bezeichnet wird. Von dort gehen die Pflanzen und Tiere über den Agrar- und Großhandel in die Verarbeitende Industrie, dazu zählt auch das Ernährungshandwerk, wie Bäckereien und Metzgereien und die industrielle Lebensmittelwirtschaft. Die dort hergestellten Lebensmittel werden in die nachfolgende Stufe, den Lebensmittelgroß- und Einzelhandel geliefert und die letzte Stufe dieser Kette ist der Verbraucher. Hierzu zählen die Großverbraucher wie Kantinen und Cateringunternehmen und vor allem der Bürger als Einzelverbraucher. Die gesamte Wertschöpfungskette wird von staatlichen und privaten Dienstleistungen begleitet, z.B. in Form von Forschung und Entwicklung, Finanzierung, Wirtschaftskammern, Verbänden, u.a.. Kommt es zu Veränderungen in einer Stufe der Wertschöpfungskette hat dies auch immer Auswirkungen auf die anderen Stufen der Lebensmittelproduktion.

Transparenz

Die Transparenz in der Lebensmittelproduktion ist ein bedeutendes Thema. So ermöglicht die Darstellung der einzelnen Produktionsstufen und die objektive Beurteilung der verschiedenen Wertschöpfungsketten in der Lebensmittelproduktion, in Bezug auf den Ressourceneinsatz oder den ökologischen Fußabdruck (CO²-Verbrauch, Wasserverbrauch u.a.) eine Grundlage für die Prozessoptimierung. Und es versetzt Verbraucher*innen in die Lage, die Lebensmittel mit ihren Wertmaßstäben zu beurteilen und die Bereitschaft zur Zahlung eines evtl. höheren Preises zu ermitteln. Aktivitäten einer Landesinitiative zu diesem Thema können einen wichtigen Beitrag für mehr gesellschaftliche Akzeptanz der Lebensmittelproduktion leisten.

Vertrauen

Vertrauen ist die wesentliche Basis für die gesellschaftliche Akzeptanz der Ernährungswirtschaft. Für die zukünftige Entwicklung der Branche ist es unabdingbar, dass die Gesellschaft die komplexen Prozesse nachvollziehen und bewerten kann und ihnen vertraut. Dazu müssen die Vorstellungen über die Produktionsprozesse mit den realen Bedingungen in den Produktionsstätten übereinstimmen und die Informations-Asymmetrien abgebaut werden. In den letzten Jahren ist eine bewusstere Auseinandersetzung mit Ernährung und dem Ursprung der Nahrungsmittel zu beobachten. Hier werden neben Umweltaspekten auch Tierschutzaspekte berücksichtigt und dienen als Grundlage für den Konsum.

Strukturwandel im Agri/Food

Der Strukturwandel in der Land- und Ernährungswirtschaft, dem sog. Agri/Food ist gekennzeichnet durch eine abnehmende Anzahl an Betrieben und gleichzeitiger Zunahme von Großbetrieben mit höheren Kapazitäten und Produktivitätswachstum sowie einem zunehmenden Innovationsdruck. Durch diese seit Jahrzehnten erfolgten Veränderungsprozesse hat sich die Gesellschaft immer mehr von der Nahrungsmittelindustrie entfremdet, denn der Großteil der Bevölkerung hat keinen direkten Bezug mehr zur Lebensmittelerzeugung.  Vielfach existieren romantische Vorstellungen von idyllischen, kleinbäuerlichen Familienbetrieben, die in der Realität auf moderne, hochtechnologische „Agrar- bzw. Lebensmittelfabriken“ treffen. Die zunehmende Technisierung sowohl auf den landwirtschaftlichen Betrieben als auch in der Lebensmittelindustrie beschleunigt den Wandel.

Leitbild

Die LI Food möchte einen Beitrag dazu leisten, ein Leitbild für die Zukunft der niedersächsischen Ernährungswirtschaft zu entwickeln, das der Branche nach innen Orientierung gibt und nach außen die gesellschaftliche Akzeptanz stärkt, indem der Gesellschaft deutlich gemacht wird, wofür die Branche steht; es beschreibt die Mission und die Vision der Zukunft. In einem ersten Schritt wurde dazu im Sommer 2020 eine Onlineumfrage bei den nds. Unternehmen der Ernährungswirtschaft und weiteren Stakeholdern durchgeführt. Im Anschluss wurden die Ergebnisse ausgewertet und sollen in die Erarbeitung des Leitbilds einfließen. Auf Basis der Umfrageergebnisse wird es im Herbst 2020 einen interaktiven Workshop geben, auf dem idealerweise das Leitbild finalisiert und kommuniziert wird.

 

Mit folgenden Institutionen arbeiten wir in diesem Thema zusammen: