Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit in der Ernährungswirtschaft hat viele Facetten wie z.B. Ressourceneffizienz, zukünftige Proteinversorgung, ökologischer Fußabdruck oder ernährungsphysiologische Fragestellungen. Themen wie Nebenstromnutzung oder alternative Eiweißquellen werden dabei Gegenstand von Projekten und Veranstaltungen sein. Vor diesem Hintergrund ist Nachhaltigkeit in der Lebensmittelproduktion in ihrer ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Dimension häufig ein Argument für oder gegen die Attraktivität von Lebensmitteln und wird zunehmend eine der stärksten Antriebskräfte für Innovationen und letztlich für die Kaufentscheidung der Verbraucher*innen.


Unsere Schwerpunktthemen:

Nebenstromnutzung, Cross-sektorale Vernetzung, Verpackung, energetische Nutzung

Das derzeitige Produktionssystem ist linear. Es ist besonders offensichtlich in der Lebensmittelindustrie. Vergeudete Biomasse wird für Anwendungen mit geringem Wert wie Kompostierung, anaerobe Fermentation und Düngung verwendet. Anstatt Entsorgungs- und Aufbereitungskosten zu verursachen, kann wertvolle Biomasse in industriellen Nebenströmen genutzt und auf Gewinn eingestellt werden. Darüber hinaus gibt es kein einziges Lebensmittelprodukt auf dem Markt, das vollständig recycelt wird. Das Konzept des Lebensmittel-Ökodesigns wird von den Verbrauchern nicht akzeptiert, obwohl es Technologien zur Umsetzung des Konzepts gibt. Das Upcycling von Biomasse oder Verpackungen ist nicht so organisiert, dass es die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft unterstützt.

 

Alternative Eiweißquellen (Protein 4.0)

Der Markt für pflanzliche Fleischalternativen ist explosionsartig gewachsen und wird voraussichtlich mit Raten von 8 bis 12 % pro Jahr weiter wachsen, wodurch er zum dynamischsten Segment des Lebensmittelsektors wird. Risikokapitalfinanzierte Start-ups wie Beyond Meat und Impossible Foods verzerren den Markt und große Unternehmen der Verbrauchermarken arbeiten energisch daran, im Wettbewerb zu bestehen. Auf jüngsten Konferenzen in diesem Bereich haben pflanzliche Nahrungsmittelhersteller aller Art gemeinsam nach neuen Technologien gefragt, um ihre Bemühungen zu unterstützen. Eine breitere Auswahl an Proteinquellen, neue Plattformen für die Entwicklung von Texturen, tiefere Einblicke in die Entwicklung fleischiger Aromen und ein von den Segmenten getragenes Konsumentenverständnis sind erforderlich, um fortlaufende Innovationen in diesem Bereich zu unterstützen.

 

Gesundheit

Die Integration von ernährungsphysiologischen (gesundheitlichen) und nachhaltigen Aspekten ist eine komplexe Aufgabe, die von wenigen wissenschaftlichen Konzepten gelöst wird. Sie umfassen mehrere Dimensionen und Funktionen von Nahrungsmittelsystemen, die versuchen, Lösungen für eine harmonische Koevolution der Menschheit und der Erde bereitzustellen. „Nutritional Sustainability“ unterscheidet sich von anderen Konzepten, die Ernährung und Nachhaltigkeit kombinieren, da sie nicht nur die umweltfreundliche Kapazität als Basisniveau für eine ausgewogene Ernährung festlegt, sondern auch die Suche nach Knotenpunkten für das Nahrungsmittelsystem anstrebt. Sie zielt nicht auf die Unterstützung von Lösungen zur Erzeugung von ausreichend oder mehr Nahrungsmitteln für die Bevölkerungszunahme (nachhaltige Ernährung) ab und steht auch nicht im Widerspruch zu anderen ähnlichen Konzepten (nachhaltige Ernährungssicherheit, Bewertung des Lebenszyklus von Nahrungsmitteln (LCA)). Sie fordert jedoch eine genauere Schätzung der Tragfähigkeit der Umwelt auf persönlicher, lokaler und nationaler Ebene für die Entwicklung effizienterer Ernährungslösungen, die in Bezug auf die Tragfähigkeit der Umwelt ausgewogen sind.

 

Ökobilanzierung, Lebensmittelzyklusanalyse

Die Bewertung der Nachhaltigkeit von Lebensmitteln ist derzeit begrenzt, da viele Daten gesammelt und kombiniert werden müssen. Die automatisierte Datenerfassung und -modellierung in modularer Struktur mit AI-erweiterten Lösungen bietet einzigartige Möglichkeiten für die Nachhaltigkeitsanalyse von Agrar-Food-Systemen. Ein solches System umfasst mehrere Dimensionen aus sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Sicht und führt zu einer zeit- und ressourceneffizienten, ganzheitlichen Bewertung.

 

Werte, Moral, Ethik

Tierschutz und ethisches Verhalten beim Umgang mit Biomasse zu Lebensmittelzwecken sind zu einem zwingenden Aspekt nachhaltiger Lebensmittelsysteme geworden. In den meisten Fällen ist die Quantifizierung von Werten, Moral und Ethik im Umgang mit Biomasse ziemlich kompliziert. Es ist eine der vordringlichsten Aufgaben zu definieren, welche Biomasse aus moralischer und ethischer Sicht vorteilhafter ist, zum Beispiel für u.a. tierische Biomasse wie Eier, Insekten, Mikroalgen.


Mit folgenden Institutionen arbeiten wir in diesen Themen zusammen: 

 

Online-Ökobilanz-Tool

Online-Rechner für Treibhausgase (globales Erwärmungspotenzial), fossile Energie, Landnutzung und Wasserfußabdruck für Agrar- und Lebensmittelprodukte „vom Bauernhof bis zum Supermarktregal“.

Das Online-LCA-Tool wurde vom DIL e.V. entwickelt, um sowohl kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Informationen über die Nachhaltigkeit der Lebensmittelproduktion zur Verfügung zu stellen als auch interessierten Verbraucher*innen Entscheidungshilfen bei der Auswahl von Lebensmitteln zu bieten. Das LCA-Tool ist ein einfaches Tool zur Bewertung der Auswirkungen eines Produkts oder einer Dienstleistung in Bezug auf diverse Umweltfaktoren und betrachtet die gesamte Wertschöpfungskette. Das Tool bezieht alle Entscheidungen, die in den jeweiligen Phase der Herstellung getroffen wurden, mit ein. So sind z.B. die Rohstoffauswahl und deren Herkunft, die Verarbeitungsprozesse, die Verpackung sowie der Transport entscheidende Faktoren in Bezug auf die Nachhaltigkeit der einzelnen Produkte.

Derzeit bietet das LCA-Tool Informationen zu folgenden Produktgruppen:

Brot (Weizen, Mais, Roggen, Buchweizen), Butter (Butter, Margarine, streichfähiges Produkt), Schokolade (dunkel, Vollmilch, weiß), Fleisch (Rindfleisch, Schweinefleisch, Geflügel), Milch (Voll, fettarm, UHT, pasteurisiert), Kartoffel (ganz, Pommes Frites, Chips), Zucker (Rüben, Zuckerrohr) und Tomaten (Busch, Kirsche).

Durch die Messung der einzelnen Produktionsstufe kann der Benutzer den Gesamteffekt des Produkts sowie den relativen Beitrag der verschiedener Stufen (landwirtschaftliche Produktion, Verpackung, Transport usw.) in verschiedenen Wirkungskategorien (Landnutzung, Wassernutzung usw.) abschätzen. Durch das Verständnis der jeweiligen negativen Effekte auf die Umwelt ist es möglich, schnelle und effiziente Entscheidungen zu treffen, um potenzielle hohe Umweltbelastungen durch die Auswahl von alternativen Ressourcen, Prozessen oder Transportkonzepten zu vermeiden. Das LCA-Tool dient zur schnellen Überprüfung der potenziellen möglichen Szenarien. Aus diesen Ergebnissen lassen sich Trends für mögliche Optimierungen und alternative Konzepte mit einer Genauigkeit zwischen 70-80% ableiten.

Das Ökobilanz-Tool ist nicht dazu gedacht, die Ergebnisse der Ökobilanzierungen bestimmter Produkte zu veröffentlichen und es kann nicht für Umweltverträglichkeitsprüfungen dieser Produkte und Wertschöpfungsketten verwendet werden. In diesem Fall sollte eine ordnungsgemäße Analyse gemäß ISO 14040 und ISO 14044 durchgeführt werden.

Das Online-LCA-Tool basiert auf den Berechnungen, die mit der SimaPro 8.0-Software und unter Verwendung von ecoinvent 3.0-Datenbanken durchgeführt wurden. Das LCA-Tool stützt sich auf die IMPACT2002 + -Methode und den Wasserfußabdruck (Water Scarcity after Boulay et al., 2011).