Herkunft entscheidet über Vertrauen bei Verbraucher*innen

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Herkunft entscheidet über Vertrauen bei Verbraucher*innen

Vechta, 12.07.2021: Im Auftrag der LI Food hat das DIL Deutsches Institut für Lebensmitteltechnologie eine deutschlandweite Studie zum Verbraucher*innenvertrauen zu Lebensmittel und den Akteur*innen der Food-Supply-Chain durchgeführt. Die Studie fand vor dem Hintergrund statt, dass das Vertrauen der Verbraucher*innen in die Wertschöpfungskette von Lebensmitteln bzw. dessen Verlust in den letzten Jahren zu einem immer wichtigeren Thema in der Debatte um die Ausrichtung der Lebensmittelpolitik geworden ist. Hervorzuheben ist, dass es im Sektorenvergleich insbesondere im Lebensmittelbereich zu einem substanziellen Vertrauensverlust gekommen ist, welcher nur vergleichbar ist mit der vom Dieselskandal betroffenen Automobilbranche. Dieser Sachverhalt stellt insbesondere in der gegenwärtigen Situation ein substanzielles Problem dar, in welcher mehr und mehr Lebensmittel als gesund, nachhaltig oder authentisch ausgelobt und beworben werden. Mangelndes Vertrauen in die Akteur*innen der Lebensmittelkette führt unweigerlich auch zu einem Rückgang des Vertrauens der Verbraucher*innen in die eigenen Möglichkeiten, bewusste Entscheidungen beim Kauf von Lebensmitteln treffen zu können. 

In der repräsentativen Online-Befragung, die mit mehr als 1.000 Verbraucher*innen in Deutschland im Dezember 2020 durchgeführt wurde, zeigte sich, dass die Konsument*innen insbesondere den Akteur*innen der ökologischen Wertschöpfungskette wie z.B. den Öko-Landwirt*innen vertrauen, während konventionell agierenden Landwirt*innen ein hohes Maß an Misstrauen entgegengebracht wird (siehe Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Fragestellung - Geben Sie an, wie sehr Sie den nachfolgenden Akteur*innen vertrauen bzw. nicht vertrauen.

Einen hohen Stellenwert genießt auch die Ernährungswissenschaft. Bemerkenswert ist, dass die Öko-Lebensmittelkontrolle ein sehr hohes Vertrauen genießt, während das Vertrauen gegenüber Deutschen Behörden und vor allem EU-Behörden im Rahmen der Lebensmittelkontrolle im Vergleich hierzu deutlich geringer zu bewerten ist.

Das Vertrauen bei Lebensmitteln wird stark beeinflusst von der Herkunft der Produkte. So wird regionalen Erzeugnissen (z. B. aus dem jeweiligen Bundesland oder Landkreis) weitaus mehr vertraut, als Produkten aus überregionalen Regionen Deutschlands, gefolgt von Produkten aus anderen EU-Ländern. Am Ende dieser Betrachtung stehen konventionelle Lebensmittel aus Nicht-EU-Ländern. Bezeichnend hierbei ist, dass in dieser Bewertung eine ökologische Herstellungsweise aus Sicht der Verbraucher*innen den Nachteil einer z.B. nicht-deutschen Herkunft eines Lebensmittels nicht aufwiegen kann (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Fragestellung - Geben Sie nachfolgend an, inwieweit Sie den genannten Verfahren zur Herstellung von Lebensmitteln vertrauen. Die Antwortmöglichkeiten reichen von „1 = gar kein Vertrauen" bis „5 = sehr hohes Vertrauen".

So wird einem regionalen, konventionell erzeugten Produkt ein höheres Vertrauen entgegengebracht, als einem Öko-Produkt aus einem anderen Mitgliedsstaat.

In Bezug auf konkrete Herstellungsprozesse zeigt sich, dass besonders neuartigen Entwicklungen, wie der Hochdruck-Technologie, ein sehr hohes Vertrauen entgegengebracht wird, während die medial sehr präsenten Themen In-Vitro-Fleisch und Insektenprotein dem gegenüber stark abfallen.

Diese Studie zeigt, dass die Akteur*innen der ökologischen Wertschöpfungskette im Vergleich zum konventionellen Sektor ein höheres Vertrauen bei Verbraucher*innen genießen. Bei beiden Produktionsmethoden stehen hierbei die Landwirt*innen an erster Stelle gefolgt vom LEH und den Lebensmittelproduzent*innen. Es zeigt sich allerdings, dass es neben der Wirtschaftsweise (ökologisch vs. konventionell) der/dem Konsument*in für die Vertrauensbewertung auch von Bedeutung ist, woher ein Lebensmittel stammt. So lässt sich verallgemeinert feststellen, dass einem Produkt, dass von weither stammt, weniger vertraut wird, hier spielt die Regionalität eine Rolle. Die Studie, die auch auf die Hintergründe der dargestellten Vertrauensbewertungen eingeht, ist abrufbar unter: www.li-food.de.

Weitere Informationen sowie die Ergebnisse der Studie finden Sie hier!

 

Veröffentlicht am: Mi | 29 Sep, 2021